Nicht ganz ernstgemeinte Rezension eines PC-Spiele-Tests der Zeitschrift PC PowerPlay

Sascha Adermann, seines Zeichens rasender Redakteur der PC PowerPlay, scheint ein neues hanebüchenes Hobby gefunden zu haben. Sein titanischer Testbericht des PC-Spiels Overlord besticht durch sachliche Struktur, phantastische Phrasen, melancholische Maniac Mansion-Metaphorik und insbesondere – für den „fairwunderlichen“ Fall, dass es noch nicht auffiel – auffallend viele (welch lustiges Wortspiel) Alliterationen .


So beginnt gleich die erste Zeile nach der Einleitung, mit dem, was sich wie ein roter Faden durch den Bericht zieht: einer Alliteration, sogar einer doppelten: „Nachgiebige Naturen und sanftmütige Seelen“ seien fehl am Platz, behauptet der Autor. Nun gut, glauben wir ihm einfach mal. Gesucht sind demzufolge drastische Demolierer, randalierende Rebellen und feige Fieslinge.
Ebenfalls nicht gesucht sind „Zweifler, die den Zynismus des zweifelhaften Zeitvertreibs nicht erkennen“. Bereits hier stolpert der Autor über seine hauseigene Taktik. Schon im ersten Absatz rettet er seine Alliterationsversuche nur durch Wiederholungen: „Zweifler (…) des zweifelhaften Zeitvertreibs“. Dass ein identischer Wortstamm zwangsweise zu erhöhter Alliterationschance führt, ist zu Autors Nachteil auch dem aufmerksamen Leser bekannt.

Weiter geht’s, noch immer im gleichen Absatz: „hinderliche Hemmungen, (…) Humanismus (…) eines heimtückischen Herrschers, (…) keine Schandtat zu schäbig“. Dass Hemmungen hinderlich sind, fällt ohne großes Nachdenken auf. Letztlich heiligt der Zweck ja die Mittel. Gefallen findet der Leser jedoch an „schäbigen Schandtaten“, die wunderbar zu oben genanntem „heimtückischen Herrscher“ passen.

Der uns mittlerweile schon sympathisch gewordene heimtückische Herrscher, in diesem vielversprechenden Spiel nämlich wir selbst, fristet sein jämmerliches Dasein derzeit noch in einer unwürdigen Bruchbude, der Autor spricht von einer „zu Beginn baufälligen Behausung“ in der „farbenfrohen Fantasy-Welt“ inmitten von „strahlendem Sonnenschein“ und sich „im Wind wiegenden Wäldern“.
Eine überraschende 180°-Wende erfährt der Testbericht im Folgeabschnitt. In dem sicheren Wissen, auch hier knöcheltief in Alliterationen zu versinken, staunt der Leser nicht schlecht, liest er hier von „saftigen Wiesen“, „quietschbunten Blumen“, „akutem Karies“ und „plötzlichem Zuckerschock“. Eine frische Brise tut gut und der Leser ist erfreut aufgrund so vieler unterschiedlicher Buchstaben.

Auf dem Weg zu einem gesunden Mittelweg erinnert sich der Autor seiner sich selbst definierten Stärken und fällt zurück in ehemalige Fehler: „Hüfthohe, hilfsbereite Helfer aus der Hölle“. Hier schien das gesteckte Ziel offenbar kaum erreichbar und wieder missbraucht er den gemeinsamen Wortstamm zum Zwecke der Alliteration. Dass Helfer gelegentlich hilfsbereit sind, braucht an dieser Stelle nicht explizit erwähnt werden.
Die folgenden drei Beschreibungen erscheinen erneut nicht wirklich flüssig der Feder entflossen zu sein, erklingen im bildlichen Zusammenhang jedoch sehr ansprechend: „wuselige Wollknäuel, (…) sabbernde Scha(r)frichter, (…) blökende Lämmerherde“. Das Bild eines farbenfrohen (primär roten) Schafeschlachtens macht sich vor des Lesers innerem Auge breit.
Als kleiner Zwischenstand: in den ersten vier Absätzen des Textes erfreute der Autor den mittlerweile leicht in Mitleidenschaft gezogenen Leser mit immerhin zwölf lupenreinen Alliterationen.

Auch in der Folge glänzt Adermann bisweilen eher mit den exakten Beschreibungen, die nicht zu Lasten der Alliterationsverpflichtung fallen. So erweckt das „Fegefeuer-Abitur“ geradezu eine Flut von Bildern in Lesers Hirn, hingegen hätte er auf „garstige Genossen“ verzichten können. „Aussichtslose Scharmützel“ machen die Situation anschaulich verständlich, „grausige Günstlinge“, „Mini-Monster“, „bucklige Begleiter“, „karnevalserprobte Kampftrinker“, nun ja, siehe oben… Erzwungene Kreativität: offenbar der Schwerpunkt seiner Talentlage!

Erschreckend wird die Situation, „wenn der Autor anfängt zu dichten“, um hier den berühmten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in Person von Hape Kerkeling zu zitieren. „Eine Kraftquelle hier, ein Baukran da – fertig ist der Feua-Zauba!“ Ohne Worte.

Mein persönliches Highlight bleibt jedoch seine beste Alliteration im gesamten Text, nämlich, als er im zehnten oder zwölften Versuch, die Schergen, unsere Diener, zu umschreiben, die perfekte Definition findet: „Gollum-Gremlins!“ Erfreulicherweise lesen wir von „Speichelleckern mit skurrilem Erscheinungsbild“ nur einmal.

Fazit: Adermann! Ansprechend! Gut gemacht!

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