Kein ehrenwerter Kampf oder „Sie ham watt wech im Kopp, datt ham Sie!“

So begab es sich aber zu der Zeit, dass Ritter Ralf in eine Schlacht ziehen musste, weil die Hofdame Melanie derer von B. verhindert war. Und es war gut, dass sie einen Ritter schickte, denn er sollte Gerechtigkeit walten lassen und das Schwert zum Zeitpunkt des höchsten Streites erheben, um für Ruhe zu sorgen. Nun aber heran an das Geschichtelein:
So reiste Ritter Ralf zu unchristlich früher Stunde (7.20 Uhr) mit seinem Gaul (Auto) in eine weit entfernte Stadt (Mülheim a.d.R.), um im Auftrage der Hofdame (gute Freundin) frühzeitig vor dem restlichen Pöbel die Angebote des hiesigen Markstandes (Aldi Süd) zu plündern. Insbesondere waren es die Nachtgewänder für kleine Prinzessinen (Baby-Schlafsack), auf die die Hofdame Ihr adliges Auge warf. Diese gar beeindruckende Kombination aus günstigem Preis und zeitloser Produkt-Schönheit erwärmte offenbar das Herz des ganzen Königreiches. Daher wurden die Besucher des Marktstandes nur stückweise eingelassen.

Unser rostiger Ritter bahnte sich mit seinem mächtigen Schwert (Masse & Stimme) den Weg durch das Fußvolk. Am Zielort seiner Kweste angekommen, sah er, dass gar viele Dutzend in erbittertem Kampf um die Nachtgewänder bereits elendig verendet waren und nur noch die Stärksten und Listigsten imstande waren, bis zu den Ellenbogen im Kleiderfundus zu wühlen. Zielsicher und vorbereitet, wie unser Held meistens ist, war es für ihn ein Leichtes, die Objekte der Hofdam’schen Begierde zu erspähen, den Löwen aus den Pranken zu reißen und an sich zu drücken. Er befand sich gerade im Rückzug, da geschah das schier Unfassbare: eine verbale Auseinandersetzung!
Unedel und niveaulos, wie es nur im viel später gegründeten Ruhrgebiet einmal sein würde, duellierten sich die beiden ungleichen Kombatanten. Um der Anschaulichkeit und dem Unterhaltungswert genüge zu tun, wechselt der Sprecher nun ins Ruhrgebietsdeutsch.
Oppa (nicht ich), Ende 70, soll offenbar für seinen Enkel ein paar Schlafsäcke ergattern. Der Einfachheit halber klaue ich ihm ein „p“ und nenne ihn „Böser Opa“. Außerdem: Mutter mit Kinderwagen, Mitte 30, steht direkt am Wühltisch und sucht für ihr Kind, Kinderwagen in Griffweite.
Böser Opa: „Machn se ma Platz da!“
Ich denk: „Jou, Oppa. Da passt eine Person in den Gang. Die stehen da schon zu viert und Du Holzbirne stellst den Gang zu. Geh drumrum oder halts Maul.“
Mutter: „Schuldigung. Sie sehen doch, wie eng es hier ist. Ich kann mich hier nicht wegbewegen.“
Ich denk: „Jou, ist im Geltungsbereich.“
BO: „Sie müssen ja auch nich‘ noch mit deN Kinderwagen im Weg stehen.“
Ich denk: „Jou, Oppa. Damals hat man den Nachwuchs im Weidenkörbchen im Fluss ausgesetzt, um ihm Gutes zu tun. Und zu Deiner Zeit? Ich weiß: ihr hattet ja nix. Heute ist Mama in Reichweite des Kinderwagens auch eine akzeptable Option.“
Mutter: „Genau, den Kinderwagen stell ich in die hinterste Ecke und dann ist mein Kind wech, oder was?“
Ich denk: „Mutter, meine Unterstützung hasse, wenn der Oppa die Keule zückt.“
BO: „Sie ham watt wech im Kopp, datt ham Sie!“
Ich denk: „Mit Kettenhemd und Morgenstern wäre ich nicht angemessen ausgestattet gewesen.“
Mutter, noch ne Mutter und eine Handvoll weitere anwesende Zuhörer sinngemäß: „Jetzt geht’s aber los! Sind sie denn verrückt? Wie können Sie? Unverschämtheit! Usw.“
Ich denk: „Zivilcourage, sehr schön!“ und stimme nicht mit ein, sondern gehe Richtung Kasse, aber doch irgendwie verärgert, dass ich dem Oppa nicht selber einen verplettet habe.
Ich stehe an der Kasse in der Schlange, hinter mir der BO, meckert über alles, was sich bewegt: „Grml $§%§%%§““&&&)/%§****, alles Verbrecher, ewig warten.“
Ich sehe meine Chance kommen, setze mein verständnisvollstes Gesicht auf und sage dem BO, der nur zwei oder drei Sachen hat:
„Haben Sie nicht gehört, hier nebenan, die Kasse 5 wird jetzt aufgemacht, gehen Sie schnell rüber, dann müssen Sie nicht so lange warten.“
BO verschwindet aus der Schlange, stellt sich an die (vermeintlich NOCH) unbesetzte Kasse und als ich bezahlt habe – höchstens zwei Minuten später- und den Laden verlasse, steht er mit gezücktem Geldbeutel ganz vorne und ziemlich alleine am Fließband der unbesetzten Kasse 5.
Hatte ich Kasse 5 gesagt? Ich meinte Kasse 3, und zwar nicht hier im Aldi-Süd, sondern im neuen Aldi-Nord bei Hamburg und auch nicht heute, sondern letzte Woche!
Und jetzt will ich hier ein paar Daumen nach oben sehen…

2 Antworten zu Kein ehrenwerter Kampf oder „Sie ham watt wech im Kopp, datt ham Sie!“

  1. Loschi sagt:

    Ich recke meine 3 Zwergendaumen nach oben für dich.

  2. Knaxxs sagt:

    Und wenn er nicht gestorben ist, dann wartet er noch heute…

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